Kurz gesagt: Regenwasser versickern Sie über eine Mulde (Tiefe 20 bis 30 cm), eine unterirdische Rigole oder einen Sickerschacht (Betonringe DN 1000). In Kassel brauchen Sie dafür eine Befreiung von der Anschlusspflicht durch KASSELWASSER, und die versickerte Fläche senkt die Niederschlagswassergebühr. Als Faustformel rechnen Sie für eine Rigole (1 × 1 m Querschnitt, befüllt mit Sickerkies 16/32 und komplett in Filtervlies gehüllt) mit rund 8 m³ Kies je 100 m² Fläche bei mittlerem Boden, bei lehmigem Boden mit mehr. Halten Sie mehr als 6 m Abstand zum Gebäude; näher geht es nur mit Nachweis (mindestens das 1,5-Fache der Baugrubentiefe, bei Häusern ohne Keller der Fundamenttiefe).
Eine allgemeine Versickerungspflicht gibt es in Kassel nicht, einzelne Bebauungspläne können Versickerung aber vorschreiben. Bei Neubau wie im Bestand lohnt sich eine Versickerungsanlage: Sie entlastet die Kanalisation, senkt die Niederschlagswassergebühr und führt dem Boden wertvolles Wasser zu. Dieser Ratgeber behandelt die rechtlichen Grundlagen, die verschiedenen Versickerungsarten und das nötige Material.
Rechner: Drainage-Rechner, Kies und Rohr für Rigole und Graben
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Versickerung in Kassel: Anschlusspflicht, Befreiung und Anzeige
Nach dem Hessischen Wassergesetz (HWG) soll Niederschlagswasser nach Möglichkeit auf dem Grundstück verwertet oder versickert werden, sofern die Bodenverhältnisse dies zulassen. Eine allgemeine Pflicht ist das nicht. In Kassel bedeutet das in der Praxis:
- Anschlusspflicht: In Kassel schreibt die Abwassersatzung keine allgemeine Versickerungspflicht vor, Grundstücke am Kanal sind grundsätzlich anzuschließen. Wer Regenwasser versickern will, braucht dafür eine Befreiung von der Anschlusspflicht durch KASSELWASSER.
- Bebauungsplan: Einzelne Bebauungspläne können Versickerung vorschreiben; das prüfen Sie im Bebauungsplan Ihres Grundstücks.
- Gesplittete Abwassergebühr: Kassel erhebt getrennte Gebühren für Schmutz- und Niederschlagswasser. Wer Regenwasser auf dem Grundstück versickert, spart die Niederschlagswassergebühr teilweise oder vollständig: Bleibt die versickerte Fläche über einen Überlauf am Kanal angeschlossen, zählt sie nur zu 50 %; fließt von ihr kein Wasser mehr in den Kanal, fällt für diese Fläche keine Niederschlagswassergebühr an.
Wichtig: Zuständig ist nicht das Bauamt. Im Stadtgebiet Kassel brauchen Sie für jede Versickerung die Befreiung von der Anschlusspflicht bei KASSELWASSER; bis 30 m² versiegelter Fläche genügt dafür ein formloser Antrag ohne Berechnung. Ab 30 m² wird die Anlage nach DWA-Arbeitsblatt A 138-1 bemessen und bei der Unteren Wasser- und Bodenschutzbehörde der Stadt Kassel formlos angezeigt. Eine wasserrechtliche Erlaubnis ist nötig über 300 m² (dann mit Bodengutachten), auf gewerblich genutzten Flächen, im Trinkwasserschutzgebiet und wenn die Anlage nach A 138-1 nicht als unbedenklich gilt. Außerhalb der Stadt ist die Untere Wasserbehörde des jeweiligen Landkreises zuständig.
Versickerungsarten im Vergleich
Muldenversickerung
Die einfachste und natürlichste Methode: Das Regenwasser wird in eine flache, begrünte Mulde geleitet und versickert dort über die bewachsene Oberfläche. Tiefe: 20 bis 30 cm, Einstau höchstens 30 cm, Gefälle der Zulaufrinne: min. 1 %. Die Sohle besteht aus mindestens 25 bis 30 cm humushaltigem Oberboden mit Rasen, ohne Vlies und ohne Schotterschüttung; die belebte Bodenzone reinigt das Wasser. Kies und Vlies gehören zur Rigole. Vorteile: geringe Kosten, einfacher Bau, gute Filterung durch die Grasnarbe. Nachteil: braucht verhältnismäßig viel Fläche (Faustformel: ca. 10-20 % der angeschlossenen versiegelten Fläche).
Rigolenversickerung
Unterirdische Speicherkörper aus Sickerkies 16/32 oder Kunststoff-Rigolenelementen nehmen das Regenwasser auf und geben es langsam an den Boden ab. Die Rigole wird in einen Graben eingebaut, komplett mit Filtervlies umhüllt und wieder überdeckt. Vorteil: platzsparend, da unterirdisch. Ideal für kleinere Grundstücke in Kasseler Wohngebieten.
Sickerschacht
Ein senkrechter Schacht (meist Betonringe DN 1000) wird in den Boden eingelassen und mit Sickerkies umfüllt. Das Regenwasser fließt über ein Zulaufrohr in den Schacht und versickert über die Sohle und die Wandungen. Der Sickerschacht braucht am wenigsten Grundfläche, muss aber tief genug reichen, um durchlässige Bodenschichten zu erreichen. In Kassel variiert die Bodenart stark, auf dem Lindenberg finden Sie oft durchlässigen Sand, in der Nordstadt eher bindigen Lehm.
Material für die Versickerungsanlage
Je nach Versickerungstyp benötigen Sie unterschiedliche Materialien. Hier eine Übersicht für eine typische Rigolenversickerung:
- Sickerkies 16/32: Hauptbestandteil der Rigole, das Hohlraumvolumen von ca. 35 % speichert das Wasser
- Filtervlies (GRK 3, ab 150 g/m²): Umhüllt die gesamte Rigole und verhindert, dass Feinteile den Kies zusetzen
- KG-Rohr DN 100: Leitet das Wasser dicht vom Fallrohr oder der Rinne zur Rigole
- Drainagerohr DN 100 (gelocht): Verteilt das Wasser in der Kiesrigole
- Kontrollschacht DN 300: Ermöglicht die Inspektion und Wartung der Anlage
- Zulauf-Sedimentationsschacht: Fängt Laub und Schmutz ab, bevor sie in die Rigole gelangen
Berechnung: Von der Dachfläche zum Sickervolumen
Die Größe Ihrer Versickerungsanlage hängt von drei Faktoren ab: der angeschlossenen versiegelten Fläche, der Regenspende (Niederschlagsintensität) und der Durchlässigkeit Ihres Bodens. Eine vereinfachte Berechnung:
- Dachfläche ermitteln: Grundfläche des Hauses inkl. Dachüberstand (z. B. 120 m²)
- Abflussbeiwert: Ziegeldach = 0,9 / Gründach = 0,3 / Pflasterfläche = 0,6
- Wirksame Fläche: Dachfläche x Abflussbeiwert (z. B. 120 m² x 0,9 = 108 m²)
- Regenspende Kassel: Für ein 5-jährliches Regenereignis (15 min) ca. 180 l/(s x ha)
- Speichervolumen: Die exakte Berechnung erfolgt nach DWA-A 138-1, als Faustformel rechnen Sie mit rund 8 m³ Kies je 100 m² angeschlossener Fläche bei mittlerem Boden (Rigole 1 × 1 m), bei lehmigem Boden mit mehr
Tipp: Lassen Sie die exakte Dimensionierung von einem Fachplaner berechnen. Zu kleine Anlagen führen bei Starkregen zu Überlauf, zu große Anlagen verursachen unnötige Kosten. Für die Materialbestellung hilft Ihnen unser Lieferkosten-Schätzer.
Tipps für die Umsetzung
- Abstand zu Gebäuden: Mehr als 6 m reichen in der Regel ohne weiteren Nachweis. Liegt die Anlage näher, muss der Abstand zu einem unterkellerten Gebäude ohne wasserdruckhaltende Abdichtung mindestens das 1,5-Fache der Baugrubentiefe betragen (DWA-A 138-1), bei einem Gebäude ohne Keller das 1,5-Fache der Fundamenttiefe. Das gilt für Mulde, Rigole und Sickerschacht gleichermaßen, und die Anlage gehört in gewachsenen Boden, nie in die verfüllte Baugrube.
- Mindestabstand zur Grundstücksgrenze: 2 m
- Vorfilterung einbauen: Laubfang am Fallrohr und Sedimentationsschacht vor der Rigole
- Notüberlauf einplanen: Bei Starkregen muss das Wasser kontrolliert abfließen können
- Rigole nicht unter befahrenen Flächen anlegen, das Gewicht verdichtet den Kies und reduziert das Speichervolumen
Profi-Tipp: Vor dem Einbau eines Sickerschachts oder einer Rigole lohnt sich ein einfacher Versickerungstest: Ein Loch ca. 50 cm tief ausheben, mit Wasser füllen, abwarten. Versickert 1 Liter in 2 Stunden oder schneller, ist der Boden gut geeignet. In Kassel-Bettenhausen mit lehmigen Böden: erst testen, dann planen.
Schritt-für-Schritt: Muldenversickerung anlegen
- Standort wählen: Mehr als 6 m vom Gebäude entfernt, näher nur mit Nachweis nach DWA-A 138-1 (mindestens das 1,5-Fache der Baugruben- bzw. Fundamenttiefe). Nicht auf Leitungstrassen und nicht in der verfüllten Baugrube. Tiefster Punkt des Grundstücks, Wasser fließt natürlich hin.
- Mulde ausheben: Breite 1-2 m, Tiefe 20 bis 30 cm (Einstau höchstens 30 cm). Böschungsneigung max. 1:3 (sonst erodiert die Kante).
- Boden lockern: Sohle mit Grabegabel auflockern, verbessert Versickerung erheblich.
- Oberboden einbauen: Die Sohle bekommt mindestens 25 bis 30 cm humushaltigen Oberboden, ohne Vlies und ohne Schotterschüttung. Die belebte Bodenzone reinigt das Wasser; Kies und Filtervlies gehören zur Rigole, nicht in die Mulde.
- Rasen einsäen: Die Sohle mit Rasen einsäen, die Grasnarbe hält den Boden offen und filtert das Wasser.
- Begrünung: Muldenränder mit Gras oder Staudenflur begrünen, stabilisiert die Böschung und sieht natürlich aus.
Versickerungsanlage dimensionieren, Richtwerte
| Dachfläche | Muldenvolumen | Rigolen-Kubatur (Kies oder Schotter 16/32) |
|---|---|---|
| 50 m² | ca. 3 m³ | ca. 4 m³ |
| 100 m² | ca. 5-6 m³ | ca. 8 m³ |
| 150 m² | ca. 8-10 m³ | ca. 12 m³ |
| 200 m² | ca. 12-15 m³ | ca. 16 m³ |
Hinweis: Diese Richtwerte gelten für Böden mittlerer Versickerungsfähigkeit (kf 1×10⁻⁵ m/s). Bei lehmigen Böden muss die Anlage deutlich größer dimensioniert werden. Der Gefälle-Rechner hilft bei der Planung des Zulaufs.
Häufige Fragen zur Regenwasserversickerung
- Brauche ich eine Genehmigung? In Kassel immer die Befreiung von der Anschlusspflicht bei KASSELWASSER, bis 30 m² versiegelter Fläche per formlosem Antrag. Ab 30 m² zeigen Sie die Anlage bei der Unteren Wasser- und Bodenschutzbehörde an; über 300 m², auf gewerblich genutzten Flächen und im Trinkwasserschutzgebiet brauchen Sie eine wasserrechtliche Erlaubnis. Der Anschluss an den Kanal ist dagegen der Regelfall.
- Was kostet eine Rigole? Allein der Sickerkies für die Rigolen aus der Tabelle oben (4 bis 16 m³, rund 6 bis 24 t) kostet nach unseren Listenpreisen rund 600 bis 2.400 € brutto (rund 500 bis 2.020 € netto), gerechnet mit Drainagekies 16/32 ab 100,00 € je t inkl. MwSt. (84,03 € netto). Filtervlies, Schachtabdeckungen und Zuflussrohre kommen hinzu. Auf Anfrage bei Baustoffe Steinbach erhalten Sie ein Angebot für das Material.
- Kann ich Dachflächenwasser von einem Gründach versickern? Ja, Gründächer verzögern den Abfluss ohnehin und reduzieren den Spitzenabfluss. Die Versickerungsanlage kann entsprechend kleiner dimensioniert werden.
- Was tun bei lehmigem Boden? Versickerungstest (Perkolationstest) durchführen. Bei sehr schlechter Versickerung (kf < 10⁻⁶ m/s) ist eine gedrosselte Einleitung in den Kanal mit Genehmigung oft die sinnvollere Lösung.
Fazit: Regenwasser versickern lohnt sich
Eine allgemeine Versickerungspflicht gibt es in Kassel nicht, einzelne Bebauungspläne können Versickerung aber vorschreiben. Wer jetzt die richtige Lösung plant, ob Sickerschacht, Rigole oder durchlässiges Pflaster, spart auf lange Sicht Niederschlagswassergebühren.
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