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In vielen Neubaugebieten in Kassel und ganz Hessen ist die Versickerung von Regenwasser auf dem eigenen Grundstück Pflicht. Aber auch bei Bestandsgebäuden lohnt sich eine Versickerungsanlage: Sie entlastet die Kanalisation, senkt die Niederschlagswassergebühr und führt dem Boden wertvolles Wasser zu. In diesem Ratgeber erklären wir die rechtlichen Grundlagen, die verschiedenen Versickerungsarten und welches Material Sie benötigen.

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Versickerungspflicht in Kassel und Hessen

Das Hessische Wassergesetz (HWG) schreibt vor, dass Niederschlagswasser vorrangig auf dem Grundstück versickert oder verrieselt werden soll, sofern die Bodenverhältnisse dies zulassen. In der Praxis bedeutet das:

  • Neubaugebiete: In den meisten Bebauungsplänen der Stadt Kassel ist die Versickerung auf dem Grundstück verbindlich vorgeschrieben. Ein Anschluss an den Regenwasserkanal wird oft nicht mehr genehmigt.
  • Bestandsgebäude: Wer sein Dach oder die Einfahrt neu versiegelt, muss häufig eine Versickerungslösung nachweisen.
  • Gesplittete Abwassergebühr: Kassel erhebt getrennte Gebühren für Schmutz- und Niederschlagswasser. Wer Regenwasser auf dem Grundstück versickert, spart die Niederschlagswassergebühr teilweise oder vollständig.

Wichtig: Vor dem Bau einer Versickerungsanlage muss in der Regel eine wasserrechtliche Erlaubnis bei der Unteren Wasserbehörde der Stadt Kassel beantragt werden. Ein Bodengutachten (kf-Wert-Bestimmung) ist meist erforderlich.

Versickerungsarten im Vergleich

Muldenversickerung

Die einfachste und natürlichste Methode: Das Regenwasser wird in eine flache, begrünte Mulde geleitet und versickert dort über die bewachsene Oberfläche. Tiefe: ca. 20–30 cm, Gefälle der Zulaufrinne: min. 1 %. Vorteile: geringe Kosten, einfacher Bau, gute Filterung durch die Grasnarbe. Nachteil: braucht verhältnismäßig viel Fläche (Faustformel: ca. 10–20 % der angeschlossenen versiegelten Fläche).

Rigolenversickerung

Unterirdische Speicherkörper aus Sickerkies 16/32 oder Kunststoff-Rigolenelementen nehmen das Regenwasser auf und geben es langsam an den Boden ab. Die Rigole wird in einen Graben eingebaut, komplett mit Filtervlies umhüllt und wieder überdeckt. Vorteil: platzsparend, da unterirdisch. Ideal für kleinere Grundstücke in Kasseler Wohngebieten.

Sickerschacht

Ein senkrechter Schacht (meist Betonringe DN 1000) wird in den Boden eingelassen und mit Sickerkies umfüllt. Das Regenwasser fließt über ein Zulaufrohr in den Schacht und versickert über die Sohle und die Wandungen. Der Sickerschacht braucht am wenigsten Grundfläche, muss aber tief genug reichen, um durchlässige Bodenschichten zu erreichen. In Kassel variiert die Bodenart stark – auf dem Lindenberg finden Sie oft durchlässigen Sand, in der Nordstadt eher bindigen Lehm.

Material für die Versickerungsanlage

Je nach Versickerungstyp benötigen Sie unterschiedliche Materialien. Hier eine Übersicht für eine typische Rigolenversickerung:

  • Sickerkies 16/32: Hauptbestandteil der Rigole – das Hohlraumvolumen von ca. 35 % speichert das Wasser
  • Filtervlies (150 g/m²): Umhüllt die gesamte Rigole und verhindert, dass Feinteile den Kies zusetzen
  • Drainrohr DN 100: Leitet das Wasser vom Fallrohr oder der Rinne zur Rigole
  • Kontrollschacht DN 300: Ermöglicht die Inspektion und Wartung der Anlage
  • Zulauf-Sedimentationsschacht: Fängt Laub und Schmutz ab, bevor sie in die Rigole gelangen

Berechnung: Von der Dachfläche zum Sickervolumen

Die Größe Ihrer Versickerungsanlage hängt von drei Faktoren ab: der angeschlossenen versiegelten Fläche, der Regenspende (Niederschlagsintensität) und der Durchlässigkeit Ihres Bodens. Eine vereinfachte Berechnung:

  • Dachfläche ermitteln: Grundfläche des Hauses inkl. Dachüberstand (z. B. 120 m²)
  • Abflussbeiwert: Ziegeldach = 0,9 / Gründach = 0,3 / Pflasterfläche = 0,6
  • Wirksame Fläche: Dachfläche x Abflussbeiwert (z. B. 120 m² x 0,9 = 108 m²)
  • Regenspende Kassel: Für ein 5-jährliches Regenereignis (15 min) ca. 180 l/(s x ha)
  • Speichervolumen: Die exakte Berechnung erfolgt nach DWA-A 138 – als Faustformel rechnen Sie mit ca. 3–5 m³ Rigolenspeicher pro 100 m² angeschlossener Fläche

Tipp: Lassen Sie die exakte Dimensionierung von einem Fachplaner berechnen. Zu kleine Anlagen führen bei Starkregen zu Überlauf, zu große Anlagen verursachen unnötige Kosten. Für die Materialbestellung hilft Ihnen unser Lieferkosten-Schätzer.

Tipps für die Umsetzung

  • Mindestabstand der Versickerungsanlage zum Gebäude: 6 m (um Kellerwände vor Feuchtigkeit zu schützen)
  • Mindestabstand zur Grundstücksgrenze: 2 m
  • Vorfilterung einbauen: Laubfang am Fallrohr und Sedimentationsschacht vor der Rigole
  • Notüberlauf einplanen: Bei Starkregen muss das Wasser kontrolliert abfließen können
  • Rigole nicht unter befahrenen Flächen anlegen – das Gewicht verdichtet den Kies und reduziert das Speichervolumen

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